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Kölner Architekturpreis 2014

 

Jury

Emanuel Christ, Laura Fogarasi-Ludloff, Christoph Elsässer, Joachim Krausse, Anna Viebrock

 

Öffnungszeiten der Ausstellung

21.–26. September 2014, täglich 11–18 Uhr

 

 

Fünf Werke erhielten in diesem Jahr eine Auszeichnung

Immanuelkirche



Der Neubau der Immanuelkirche von Sauerbruch-Hutton Architekten, fasst, als ein Ensemble aus Kirche, Glockenturm und Kapelle, einen offenen Platz mit altem Baumbestand im dörflich-vorstädtischen Köln-Stammheim. Aus einem Wettbewerb hervorgegangen, notwendig geworden durch die Zusammenlegung der evangelischen Kirchengemeinden von Flittard und Stammheim, ist der Neubau zu einem Zehntel aus Spendengeldern der Gemeindemitglieder finanziert, ein echter Gemeinschaftsbau also. Realisiert wurde ein reiner Holzbau, der den Innenraum sichtbar strukturiert, dessen Konstruktion aber vor allem die Bauzeit beschleunigte und die Kosten im Rahmen hielt. Für relevant hielten wir bei unserer einstimmigen Juryentscheidung auch den Aspekt der Nachhaltigkeit. Das Gebäude reinterpretiert den Bautypus der Basilika mit Empore im Sinne einer modernen Gemeinde. Dem Kirchenraum sind die Nutzungen von Gemeinde-, Musikraum und der Sakristei querschiffartig zuschaltbar.

Betritt man die Kirche, erlebt man durch den Duft und die Materialität des Holzes den Raum körperlich. Das gleichsam vom Himmel fallende Licht über dem Altar überhöht die durch farbige Holzstäbe gebildete Chorwand, die die Orgel der Vorgängerkirche verbirgt. Es entsteht ein Augenblick der reinen Schönheit und Transzendenz. Die skulptural wirkende Empore wird durch eine große Milchglasscheibe erhellt, durch die man die alten Bäume des Kirchvorplatzes erahnt.

Begeistert wurden wir durch die Subtilität des Materialeinsatzes, der den Pragmatismus angesichts des begrenzten Budgets nur erahnen lässt. Die diagonale Lärchenholzverschalung an der Außenfassade befremdet zunächst, fügt sich aber vor Ort durch die vorpatinierte Farbigkeit selbstverständlich in die Umgebung ein.

Entstanden ist ein besonderer Ort, der uns als Jury durch Formensprache, Materialität und Licht in Andacht versetzte.

Umbau und Erweiterung eines Einfamilienhauses in Hürth-Hermülheim



Architekt: BeL Jörg Leeser, Anne-Julchen Bernhardt

Bauherr Sirit und Dirk Breuer

Fotograf: Veit Landwehr

 

Wir verstehen das kleine blaue Haus auf den ersten Blick nicht wirklich. Wir finden es aber sofort sehr sympathisch. Vieles an dem Haus scheint uns vertraut und sehr normal zu sein. Erst bei längerem Hinschauen wird klar: hier hat jemand sehr sorgfältig und sehr geistreich aus einem kleinen Einfamilienhaus aus den 50er-Jahren ein geräumiges und zeitgemäßes Wohnhaus gemacht. Und genau deshalb soll dieses Haus eine Auszeichnung bekommen. Der prämierte Entwurf zeigt uns nämlich exemplarisch, dass Umbauen und Weiterbauen zeitgemäße und architektonisch vollwertige Strategien sind. Oftmals ist es übrigens auch ökonomisch und ökologisch besser, das Vorhandene weiterzuverwenden als alles neu zu machen.

So war es auch beim blauen Haus in Hürth. Das bestehende Gebäude wurde bis auf den Rohbau zurückgeführt und von dort aus neu aufgebaut und erweitert. So kamen Vordächer, Dachgaube und Treppenhaus dazu. Und auf der Gartenseite wurde dem bestehenden Massivbau eine ganze Raumschicht als ausgefachter Stahlskelettbau hinzugefügt. Die neue Raumaufteilung im Innern zeugt vom klaren architektonischen Willen, Ordnung zu schaffen. Die Architekten sprechen denn auch von einer "Ertüchtigung zur Klassik". Und tatsächlich trägt die beinahe klassizistische Klarheit und Regelmäßigkeit der Räume dazu bei, dass wir uns vorstellen können, dass hier die Räume für alle möglichen Nutzungen brauchbar sind. Diese Qualität wird es den Bewohnern erlauben, die Benutzung und Einrichtung ihrer Zimmer im Laufe der Zeit immer wieder zu ändern. Es gibt nicht nur eine Art, das Haus zu möblieren und zu bewohnen. Das ist im besten Sinne nachhaltig.

Architektonisch kann man das umgebaute Haus wie ein Collage oder wie eine Komposition verstehen. Alle konstruktiven Teile sind sehr sorgfältig zueinander in Beziehung gesetzt. Jedes Element, sei es noch so klein, ist präzise gefügt und erzählt eine kleine Geschichte; zum Beispiel davon, wie es früher einmal war, und was heute daraus geworden ist, oder davon, wie wir uns bewegen und wie wir die Dinge anfassen und benutzen. Die großen Fragen der Architektur lassen sich auch an kleinen Bauaufgaben erfolgreich behandeln. Der Entwurf von Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser zeugt in beeindruckender Weise davon.

Baugruppe Baufreunde



Architekt: office03 // waldmann & jungblut gbr, Dipl.-Ing. Dirk Waldmann, Dipl.-Ing. Berthold Jungblut

Bauherr: Baugruppe „Baufreunde“ WEG, vertreten durch Dr. Jan Scholzen

Fotograf: Habermann und Foehr

 

Das Wohnbauprojekt der Baugruppe umfasst insgesamt 18 Wohnungen für verschiedene Haushaltstypen, vor allem Familien mit Kindern. Über einen Zeitraum von 3 Jahren entstand nach über 100 Gruppentreffen mit Hilfe des Architekturbüros office 03 ein Konzept für eine Wohnanlage, die sich den Wohnwünschen der 67 Bewohner so unterordnet, dass die individuellen Wohneinheiten den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden und dennoch eine einheitliche Gesamtwirkung der beiden Gebäuderiegel mit ihren verbindenden Grünflächen entsteht. Dieses Ziel ist auf beeindruckende Weise durch sorgfältige und kluge Gestaltung von Innen- und Außenräumen erreicht worden. Die Häuser sind im Inneren vielfältig gegliedert, wobei sich die Wohnungen vertikal über zwei oder drei Geschosse erstrecken, aber auch eingeschossige Wohnungen enthalten. Jede Wohnung hat einen zugehörigen Garten oder eine großzügige Dachterrasse. Diese privaten Außenräume tragen durch die Gestaltung, Bepflanzung und Pflege zu einem facettenreichen gemeinsamen Innenhof bei, ohne dass dieser blockhaft geschlossen sein müsste.

Im Kinderheimquartier, das in sieben Viertel aufgeteilt und von unterschiedlichen Bauherren oder Bauträgern mit völlig verschiedenen Wohnkomplexen bebaut worden sind, bildet die Anlage der Baufreunde das überzeugendste Beispiel für eine offene und nutzerorientierte Bebauung, bei der Individualisierung und einheitliche Gesamtwirkung nicht im Widerspruch zueinander stehen. Hier wird ein Beispiel für den Mehrwert gegeben, der im Unterschied zu den benachbarten Lösungen einen Gruppenprozess mit Architekten, die diesen aufzunehmen und weiterzuführen verstehen, zum Ergebnis haben kann. Dieses Beispiel, eingebettet in ein kluges städtebauliches Konzept, zeigt auch, wie städtisches Wohnen jenseits von Schematismus und Regellosigkeit heute aussehen kann.

L.-Fritz-Gruber-Platz



Architekt: scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf

Lichtplanung: Burkhard Wand Lichtplanung, Hamburg

Bauherr: Stadt Köln – Stadtplanungsamt

Fotograf: Gereon Holtschneider

 

Mit der Gestaltung des L.-Fritz-Gruber-Platzes haben scape Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf zum Gedenken an den berühmten Fotografen, Sammler und Kurator das Thema Licht und Fotografie überzeugend in ein Bild/eine Inszenierung/eine Szene gesetzt und andererseits einen schönen, innerstädtischen Platz den Bewohnern von Köln zur Aneignung gegeben. Schon die Tatsache, dass Autos und Mülleimer vom Platz entfernt werden konnten, begeistert. Auf eine zurückhaltende anmutige Art wurde dieser Platz scheinbar fast leer gelassen und die drei 4 m langen, weißen, steinernen, monolithischen Steinbänke am Rande der hellen Fläche laden den sich dort niederlassenden Passanten zum Beobachten, Sitzen und Verweilen ein. Die scheinbar einfache Platzgestaltung nimmt sich gegenüber den starken, denkmalgeschützten Fassaden der 20er und 60er Jahre sowie der charakteristischen Fassade des Museums Kolumba zurück. Die den Platz umgebende Architektur wird ganz neu wahrgenommen. Auf einer Steinbank sitzend kann man sich auch Gedanken machen über die Ballung von Hochzeitskleidungsgeschäften, die sich hier in großer Dichte befinden.

Der Platz ist jetzt eine klare, offene Fläche; ein durchgehender Pflasterteppich aus dunklem ortstypischen Basalt-Kleinsteinpflaster, von dem man meint, er sei schon immer da gewesen, umrahmt ein großes eingelegtes helles Rechteck von 34 mal 9 Meter. Dieses leere Rechteck aus weißen Betonplatten mit dem Seitenverhältnis von 6:9, dem Format einer Kleinbildkamera schafft eine Projektionsfläche für die auf die Platzfläche fallenden Schatten. Die leere Bildfläche wird durch das Licht- und Schattenspiel der Bäume sowie der Passanten auf dem Platz gefüllt. Der Platz wird so zum Foto.

Wenn sich abends das Licht in der abgependelten metallisch-spiegelnden Hohlkugel von 120cm Durchmesser langsam aufbaut zu einer hellen, scharfen Theater-Projektionsbeleuchtung, wird der Passant zum Akteur, dessen Schatten wie eingebrannt wirkt in die helle Bodenfläche. Dieser Effekt, die Verwandlung des vorhandenen Dreidimensionalen ins zweidimensionale Abbild auf der hellen Platzfläche, ist eine poetische und raffinierte Bilderfindung als Hommage an den Namensgeber des Platzes. Das Zitat von Man Ray: „Alles kann durch das Licht verändert, deformiert oder eliminiert werden. Es ist genauso geschmeidig wie der Pinsel“, ist in Edelstahlbuchstaben in den Rahmen des Boden belagsbündig eingelassen als ein weitere Anregung, über das Thema Fotografie oder Licht und Schatten nachzudenken.

Ein schönes und sensibles Detail sind auch die nicht festzementierten Betonplatten rings um die beiden Bäume herum. Diese losen Platten lassen den Wurzeln der Bäume Bewegungsfreiheit. Dieses setzt sich auch beim Kopfsteinpflaster im Bereich des Wurzelwerks der Bäume fort. In diesem Bereich sprießt schon das Grün zwischen den Basaltsteinen und so zeichnet sich der Wurzelbereich der Bäume auf der hellen und der dunklen Fläche jeweils auf eine andere Weise ab und man wird sehen, was die Bäume mit diesen Platten machen werden. Diese gesamte rechteckige Platzfläche hat eine Wölbung, die der Dynamik der städtebaulichen Nord-Südachsenausrichtung folgt. So wird die gesamte Bodenfläche des Platzes nicht einfach als ein gepflasterter Boden wahrgenommen, sondern als Skulptur.

Siedlung am Buchheimer Weg



Architekt: ASTOC Architects and Planners, Köln

Landschaftsarchitekt: urbane gestalt johannes böttger landschaftsarchitekten, Köln

Bauherr: GAG Immobilien AG, Köln

Fotgrafie: Jens Willebrand, Köln

 

Die Siedlung ersetzt eine locker gegliederte Zeilenstruktur der 50er Jahre und interpretiert diese eigenständig. Die neu entstandene Zeilenstruktur am Buchheimer Weg erhöht die Bebauungsdichte im Quartier und schafft zeitgemäße Wohnungsgrößen und Grünräume. Neben sozialem Wohnungsbau bietet die Siedlung Raum für diverse nachbarschaftliche Funktionen.

Die Jury würdigt den konsequenten und sorgfältigen Umgang des Projektes mit dem städtebaulichen Erbe der Nachkriegszeit. Mit einfachen gestalterischen Mitteln wie Abknickung der einzelnen Zeilengebäude, einheitlicher Farbgestaltung und skulpturaler Volumetrie wurden eigenständige Räume zwischen den Gebäuden geschaffen. Die Freiräume dienen der Orientierung und Adressbildung im Quartier. An die Stelle herkömmlich anonymer Grünflächen tritt eine Raumfolge abwechslungsreicher, gut nutzbarer Freiräume mit teilweise privatgartenähnlichen, teilweise parkähnlichen Qualitäten, die es vermag, die Bewohner der Anlage zusammenzubringen. Trotz begrenzten Budgets entstand am Buchheimer Weg ein lebendiges städtebauliches Ensemble, das als beispielhaftes Projekt für städtische Nachverdichtung in die Jahre gekommener Nachkriegsstrukturen gesehen werden kann, und das dennoch seinen modernen Kontext nicht leugnet.

 

Sechs Werke erhielten eine Anerkennung

Hochwasserpumpwerk



Architekt: Ute Piroeth Architektur Architektin BDA

Freier Künstler: Wolfgang Rüppel

Bauherr: Stadtentwässerungsbetriebe Köln

Fotograf: Martin Classen

Neubau Seminargebäude



Universität zu Köln

Architekt Prof. Paul Böhm

Bauherr: Universität zu Köln

Fotograf: Heiko Heinemann

Stadthaus Florastraße Köln, urbane Nachverdichtung



Architekt: Bachmann Badie Architekten

Bauherrin: Sabine Mehlmann

Fotograf: Damian Zimmermann

Gumprechtstraße, Umbau einer denkmalgeschützten Fabrik, Köln-Ehrenfeld



Architekt: BeL Jörg Leeser, Anne-Julchen Bernhardt, Matthias Hoffmann

Bauherr: Bahar Bayrak und Harald Schmid

Fotograf: Jan Rothstein

Familienprojekt Brehmstraße Baugemeinschaft bR Neubau eines Mehrfamilienhauses



Architekt: Architekturbüro Klaus Zeller Köln

Bauherr: Familienprojekt Brehmstraße Baugemeinschaft bR

Fotograf: Aryan Mirfendereski

Generalsanierung Grund- und Hauptschule Bülowstrasse 88-90, Köln Nippes



Architekt Bestand: Rudolf Schwarz und Maria Schwarz, 1964

Architekt Planung/Sanierung: Reinhard Angelis

Bauherr: Gebäudewirtschaft, Stadt Köln

Fotograf: Thomas Riehle

 


 

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