50 Jahre Kölner Architekturpreis

50 Jahre Kölner Architekturpreis –
Das bauliche Gedächtnis der Stadt

Mit der Preisverleihung 2017 feiert der Kölner Architekturpreis auch sein 50-jähriges Jubiläum. Er zählt zu den ältesten Architekturauszeichnungen in Deutschland. Mit dem kap wurde eine neue Kategorie innerhalb der Architekturpreise eingeführt: die Auszeichnung eines einzelnen Bauwerkes. Im Exemplarischen – so lässt sich vermuten – sahen die Gründungsväter des kap die größte Chance, funktionale und gestalterische Qualitäten zu veranschaulichen. Es sollten Maßstäbe gesetzt werden.

Blickt man auf 50 Jahre kap zurück, so offenbaren die prämierten Bauten einen interessanten Blick auf die Kölner Stadtentwicklung. Darüber hinaus zeigen sich aber auch übergeordnete architekturgeschichtliche Entwicklungen.

 

kap 1967 – Begutachtung des Wiederaufbaus

Der erste KAP bilanzierte den Kölner Wiederaufbau. Es wurden 77 Bauten in allen wichtigen Bauaufgaben ausgezeichnet mit Ausnahme des Fabrik-und Industriebaus.

Viele private Wohnhäuser wurden prämiert, besonders die einer jüngeren Generation von Architekten. Ihre Häuser verkörperten die Ideale einer neuen Ästhetik. Im Massenwohnungsbau richtete sich der Blick auf Köln-Chorweiler, das als „Neue Stadt“ am Reißbrett geplant, die die Ideale der Großsiedlungen der 1960er-Jahre verkörperte.

Alle großen Kölner Baumeister sind mit Werken im ersten kap vertreten gewesen, darunter selbstverständlich auch die wichtigsten Kulturbauten. Die Wiederaufbauleistung der historischen Sakralbauten fanden keine Beachtung, dafür aber die Neubauten mit ihren radikal, modernen Gestaltungsansätzen.
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kap 1971 – Wandel der Ästhetik

Beim zweiten kap (1971) bestand die Jury nicht mehr nur aus Architekten, sondern – wie es bis heute Tradition ist – ein Architekturjournalist bereicherte die Runde, seit 2014 kommt auch eine Künstlerin oder ein Künstler hinzu.

Ein Bauwelt-Artikel gibt Einblick in die Bewertungskriterien für den zweiten kap: gesellschaftliche Relevanz der Bauaufgabe, funktionale, technische und wirtschaftliche Aspekte und architektonische Lösungen in Konstruktion und Form. Mitte der 1960er-Jahre machte sich langsam eine deutliche Veränderung in der Architektursprache bemerkbar: Eine starke Plastizität und Massigkeit prägte die neuen Bauten prägte, die Baukörper wurden in höhere und niedrigere Bauteile aufgebrochen, das Material – der rohe Ortbeton oder Waschbetonplatten – ersetzte Gliederung und glatte Oberflächen. Die Bauaufgaben waren neben dem Wohnungsbau vor allem Hochschul- und Verwaltungsbauten.
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kap 1975 und 1980 – „Die Zukunft der Vergangenheit“

So lautete das Motto des Europäischen Denkmalschutzjahres 1975. Ende der 1960er-Jahre vermehrte sich die Skepsis gegenüber der großmaßstäblichen Umgestaltungen der gebauten Umwelt durch verkehrsgerechten Stadtumbau, Flächensanierung, Investorenprojekte und allzu großmaßstäbliche Verwaltungsbauten. Insbesondere die Bürger forcierten die Wertschätzung der historischen Bauten. Die Prämierungen von 1975 und 1980 verweisen auf die neuen Auseinandersetzungen mit dem historischen Stadtgefüge.
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kap 1985 und 1990 – Der Stadtumbau

Mit der Prämierung der Wohnbebauung auf dem Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik Stollwerck zeigte sich ein neues Thema in der städtischen Entwicklung: der Umgang mit ehemaligen Fabrik- und Industriebauten. Unter dem Slogan „Macht Stollwerck zum Bollwerk“ hatte sich eine Bürgerinitiative dafür eingesetzt, in den Fabrikgebäuden sozialen Wohnungsbau, Künstlerateliers und Kultureinrichtungen unterzubringen. Damals hart umkämpft, ist es heute fast eine Selbstverständlichkeit profane historische Bausubstanz als Orte der Identifikation mit neuen Nutzungen zu erhalten.
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kap 2000, 2003, 2006 – Kleine Bauaufgaben und große Wirkung

Bei den Preisen der 2000er-Jahre spielte der Wohnungsbau, sei es als Mehrfamilienwohnhaus, Wohn- und Bürohaus oder Stadthaus, eine wichtige Rolle. Da Baugrundstücke vor allem in Innenstadtlagen rar und teuer sind, erkundeten Bauherrn und Architekten ungewöhnliche Bauareale.

Mit der mobilen Fahrradbar „unter dem Pflaster der Strand“ würdigte die Jury zum ersten Mal kein gebautes Objekt, sondern ein Konzept.
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kap 2010 und 2014 – Stadt-Verdichtung

Seit dem kap 2010 wird bei der Preisvergabe zwischen Auszeichnungen und Anerkennungen unterschieden. Die 2010er-Jahre zeigten, was sich bereits seit der Jahrtausendwende ankündigte: Die Stadt wächst und der Wohnungsbau sucht sich Nischen auf kleinsten Parzellen. Ehemalige Industriestandorte wandeln sich zu neuen Stadtquartieren, wie der Rheinauhafen. Mit den dortigen Kranhäusern folgte die Stadt dem europäischen Trend, mit einem „Signature Building“ die Stadtsilhouette zu bereichern.
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Der kap ist das bauliche Gedächtnis der Stadt. Denn einige der prämierten Bauten sind mittlerweile abgerissen und andere stark verändert worden. Immer öfter werden mit dem kap auch Konzepte oder temporäre Projekte ausgezeichnet. Möge der kap also auch die nächsten fünfzig Jahre weiterhin ein kritischer Beobachter für Kölns bauliche Entwicklung bleiben.

Vorwort von Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Geschäftsführende Generalkuratorin des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW, im Vorwort des kap-Katalogs 2017
>>  M:AI