Jurorenurteile kap 2017

Jurorenurteile kap 2017

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Baulücke

Von der großen Kunst, ein kleines Haus zu bauen, ist oft zu hören in Zeiten der Verstädterung. Zumal in den Ballungszentren, wo der Wohnraum knapp bemessen ist. Was sich leider auch von den oft fantasiearmen Ideen zur Nachverdichtung sagen lässt. Ganz anders hier: Das nur zehn Meter tiefe und dreieinhalb Meter breite, bislang unbebaute Grundstück inmitten einer denkmalgeschützten Häuserzeile konnte nur durch räumliche Vorstellungskraft zum Leben erweckt werden. So ist ein staunenswertes Haus mit sechs Etagen entstanden, samt Keller und Dachterrasse. Im Inneren werden die Wohn- und Arbeitsräume nicht einfach gestapelt, sondern verbinden sich mit Hilfe einer geschickt platzierten Treppe zu enormer Raumqualität. Auf fast schon paradoxe Weise entstehen mit Hilfe der Architektur, mit Licht und Schatten sowie klug variierten Raumeindrücken und präzisen Blickbeziehungen, auf dem Papier lediglich 80 Quadratmeter Wohnraum. Tatsächlich ist es aber ein eindrucksvolles Raumvolumen. Das Grundstück mag klein sein. Die Architektur, die darauf entstanden ist, ist großartig.

Architekt: Wolfgang Zeh
Bauherr: Eva Zeh-Kraiss + Wolfgang Zeh
Adresse: Hüttenstrasse 22a 50823 Köln
Fotos: Wolfgang Zeh


Erzbischöfliches Berufskolleg

Mit seiner polygonalen, geknickten Kubatur lässt der Neubau des Berufskollegs dem Meisterwerk von Josef  Rikus und Heinz Buchmann, der Kirche Johannes der XXIII, den Vortritt das Zentrum des neuen Eingangshofes zu besetzen. Er lässt ihr Raum und nutzt gleichermaßen diesen Raum als städtischen Vorplatz für das  neue Haus. Die eigentliche Überraschung erlebt der Besucher aber nach dem  Eintritt in das Gebäude. Ein überwältigendes Atrium mit frei schwingenden Galeriekanten, einem durch das Oberlicht weich einfallendenTageslicht, welches dem dominierenden Beton eine samtige, edle Oberfläche verleiht. Hier gerät jedes Vorurteil zu diesem Material ins Schwanken. Ergänzt durch verschiedene Holzoberflächen entsteht ein warmer, angenehmer Gesamteindruck des Raumes. Mit der großen Sitztreppe und den schwingenden Galerien werden vielfältig nutzbare Raumzonen entwickelt, die dieses Atrium nicht nur zu einem repräsentativen Ort, sondern vielmehr zu einem wirklichen Zentrum des Hauses werden lassen. Hier ist ein Schul- und Ausbildungshaus entstanden welches durch seine städtebauliche Setzung, seine geschickte räumliche Organisation vielfältige Lehr- und Lernsituationen fördert und durch seine präzise Materialisierung überzeugt.

Architekt: 3pass Architekt/innen, Kusch Mayerle BDA
Bauherr: Erzbistum Köln Generalvikariat
Adresse: Berrenratherstraße 121, 50937 Köln
Fotos: Constantin Meyer


Haus Altenberg, Neustrukturierung, Erweiterung und Umbau Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln

Die Neustrukturierung des „Haus Altenberg“, einer Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln, welches seinen Ursprung in einer Klosteranlage der Zisterzienser im 13.Jahrunderts fand, war nicht nur bautechnisch und denkmalpflegerisch ein hochkomplexes Unterfangen. Verschiedenste Zeitschichten, welche durch die komplette Zerstörung, teilweise Rekonstruktionen und  verschiedenste bauliche Ergänzungen vorgefunden wurden, waren der Ausgangspunkt für eine umfassende Neustrukturierung, Erweiterung und Sanierung der Anlage. Mit einer verblüffend einfachen Gebäudekonfiguration und explizit zeitgemäßen Mitteln gelingt die Wiederherstellung einer Gesamtanlage, welche die Historie lesbar erhält, sie dennoch im Sinne dieses Ortes weiterentwickelt und sich räumlich und atmosphärisch beinahe selbstverständlich in die historische Anlage einfügt. Höhepunkt ist die neu geschaffene Kapelle die mit ihrer Zweischiffigkeit  eine überraschende, aber sinnfällige Raumkonzeption erhält. Insgesamt ist dieses Projekt beispielhaft für eine behutsame aber dennoch eigenständige Weiterentwicklung eines historischen Baubestands.

Architekt: gernot schulz architektur GmbH
Bauherr: Erzbistum Köln – Generalvikariat
Adresse: Ludwig-Wolker-Straße, 51519 Odenthal
Fotos: Simon Wegener | Fotografie

:envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin

Das Envihab ist ein neues Forschungsgebäude für die Raumfahrt, welches durch seine sehr kompakte und effiziente Organisation überrascht. Unter einem flexiblen, visuell eher geschlossenen Technikgeschoss befindet sich eine durchgängige, gläserne  Erdgeschossebene auf der sich verschiedene Forschungsmodule des Institutes befinden. Diese wurden nach dem Haus-im-Hausprinzip realisiert wurden und sind ebenfalls sehr flexibel. Zwischen den Modulen entwickelt sich der gemeinschaftliche Raum des Instituts, der Blickachsen auf die Umgebung bietet, über kleine Höfe belichtet wird und zum Verweilen einlädt. Hierdurch stimuliert dieser Raum die soziale Interaktion zwischen den Forschern innerhalb des Institutes. Nach außen hin präsentiert sich das Envihab einerseits als klarer, autonomer Körper mit einem eher landschaftlichen und distanzierten Charakter. Anderseits wirkt das Haus aber durch sein gläsernes Erdgeschoss auch einladend und kommunikativ.

Die Jury ist besonders begeistert vom konsequenten typologischen Durcharbeitung, die einen überzeugenden architektonischen Rahmen für Forschung schafft.

Architekt: Glass Kramer Löbbert Architekten mit Prof. Uta Graff
Bauherr: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
Adresse: Linder Höhe, 51147 Köln
Fotos: Christian Gahl

Baugruppe „Stadtteilchen“

Ist das jetzt schön ? Die Jury war sich von Anfang an nicht sicher, ob dieses Projekt den Kölner Architekturpreis wegen seiner herausragenden Gestalt verdient hat und auch nach der langen Besichtigung kamen dem einen oder der anderen Jurorin wieder Zweifel – es wurde kontrovers diskutiert – wie man im Jurorenjargon so gerne sagt, denn nach einem langen Tag mit wunderbaren Fassaden und Detailliebeleien steht das  Stadtteilchen ein wenig im Schatten –  ein verputzter durch große Loggien geformter/geschnitzter Massivbau, mit einer zweifarbigen Fassade, die man nicht nur auf dem Clouthgelände – sondern auch sonstwo in der Welt moderner Wohnbauten schon in abgewandelter Form mindestens zweimal gesehen hatte.

Warum dann dieser Preis ?

Das Haus ist einfach und mit wenig Geld erstellt worden, es ist Heim einer Baugemeinschaft, die sich selbst ein Stück Heimat gebaut hat und offensichtlich Architekten gefunden hat, die mit einfachen Mitteln umzugehen in der Lage sind. Nichts ist spektakulär, aber alles sitzt, die Treppe bildet eine feine Mitte, die mit einer großen Eingangshalle auch Pufferraum bei Regenwetter ist, die Oberflächen sind wohl überlegt, robuste Böden, rohe Wände, viel Licht und Luft im Inneren. Hier können Begegnungen stattfinden und wenn unser Besuch nur einen Wert hatte, dann dass der Architekt alle Wohnungen aufsperrte – man vertraut ihm – und so wurde das Haus, für einen Moment, zu einem großen Ganzen. Gemeinschaft wird dort gelebt. Im Bereich der Gemeinschaftsangebote könnte man sogar noch mehr machen und hatte auch mehr vor, aber Geld ist endlich.  Am Ende blieb aber genügend Geld über, um neben der feinen, gemeinsamen Mitte, wunderbare Wohnungen zu schaffen –alle sind in jwls mehrere Richtungen orientiert, haben mehrgeschossige Loggien oder sind als Maisonette ausgebaut- alle organisieren sich um einen großen, manchmal mehrgeschossigen, Wohnraum und bieten einfache Individualräume  entlang einer Hausseite. Und wieder  die Materialität  – die Details stimmen – man mag hier einziehen – ein Haus – nichts Besonderes – aber das  wirklich gut gemacht – Glückwunsch!

Architekt: office 03, Waldmann  Jungblut Architektenpartnerschaft mbB
Bauherr: Baugruppe „Stadtteilchen“
Adresse: Auf dem Stahlseil 6, 50733 Köln
Fotos: violaepler

Wohnhaus Köln-Hahnwald

Die Einpassung des Wohnhauses in die Natur und die Aufteilung in Funktionsbereiche hat große Vorbilder in der modernen Architektur. Mit der hier gewählten Anordnung und Abfolge der Gebäudeteile und insbesondere mit der Führung der Wände mit ihren „Durchblicken“ wird jedoch ein eigenständiger Gesamteindruck geschaffen, der seine Vorbilder nicht verleugnet und zugleich die eigenen Gestaltungskraft deutlich macht. Zugleich bleibt dieses „Deutlichmachen“ durch Höhe, Materialwahl und Einpassung in das Grundstück zurückhaltend und dem Bewohnen verpflichtet.

Architekt: Scheuring + Partner Architekten mbB
Bauherr: Martina und Pascal Küppers
Adresse: Bonner Landstraße 125, 50996 Köln
Fotos: Scheuring + Partner

Rheinboulevard Köln-Deutz

Der Rheinboulvard zwischen der Hohenzollernbrücke und der Deutzer Brücke schafft einen neuen vitalen öffentlichen Raum für Köln, der den Fluss und das Panorama auf die Innenstadt erlebbar macht. Trotz seiner eher harten und sehr robusten Materialität besitzt das Projekt eine überraschend hohe Aufenthaltsqualität, was durch seine sehr intensive Nutzung während der Sommermonate deutlich wird.  Das Projekt hat sich innerhalb von sehr kurzer Zeit einen festen Platz im Kölner Stadtbild erobert und wirkt durch seine Selbstverständlichkeit so, als wenn es schon immer da gewesen wäre.

Architekt: PLANORAMA Landschaftsarchitektur, Berlin
Bauherr: Stadt Köln, Amt für Landschaftspflege und Grünflächen
Adresse: Kennedyufer Köln Deutz, zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke
Fotos: Hanns Joosten

Neuordnung östliche Domumgebung Köln

Zu den größten Verheerungen der Nachkriegszeit gehört die Kölner Domplatte. Dass Städtebau aber auch heilsam sein kann, beweisen die so behutsamen wie präzisen Eingriffe in die östliche Domumgebung. Die Zusammenhänge zwischen der singulären Sakralarchitektur und dem gemeinschaftlich organisierten Stadtraum sind dank der geglätteten Raumkanten und entschlossener Rückbauten nun wieder lesbar. Aus einem Ort der Autogerechtigkeit wurde auf diese Weise wieder eine Sphäre der Passanten.

Architekt: Allmann Sattler Wappner Architekten
Bauherr: Stadt Köln – Stadtplanungsamt
Adresse: Am Domhof, 50667 Köln
Fotos: Brigida Gonzàlez

Übergangswohnheim für Flüchtlinge

Zwischem dem Einfachen und dem Banalen liegt ein tiefer Graben.

Dieses Projekt gehört zu Ersterem und ist naturgemäss daher wenig spektakulär – ein einfaches Haus für mittellose Flüchtlinge – bei unser Besichtigung zeigte uns eine junge dreiköpfige Familie Ihr kleines Heim in welchem außer Teppichen keine weiteren Möbel, geschweige denn Spielsachen, zu finden waren und doch herrschte eine friedliche, fröhliche Stimmung, das Minimalwohn-/Kochzimmer hat eine kleine Loggia, die an allen Ecken der Häuser zu finden sind – die Absturzsicherung der Loggien werden durch, mit Flüssigkunststoff beschichtete Holzlatten gerahmt, welche die ganze Fassade horizontal gliedern – ein Massivbau mit Dämmziegeln, verputzt- keine weitere Containerwut – nein einfach, widerholbar, adaptierbar – klug gebaut. Eine Seltenheit bei dieser Bauaufgabe. Die Jury hätte gerne mehr davon.

Architekt: pagelhenn architektinnenarchitekt, BDA, BDIA
Bauherr: Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln
Adresse: Potsdamer Straße 1a + 1d, 50859 Köln
Fotos: Jens Kirchner


Neubau Kita St. Agnes mit Jugend- und Familienzentrum

Mit einer einfachen baulichen Konfiguration von vier Gebäudeflügeln, die sich um einen Innenhof gruppieren, gelingt ein spannungsreiches und räumlich vielfältiges Haus. Die Differenz von umgebendem Waldgrundstück und dem steinernen Innenhof, der Abgeschlossenheit des Innenhofs und den immer wieder auftauchenden Durchblicken in die Umgebung,  der Kontrast zwischen den zurückhaltenden Materialien der Flurbereiche und der starken Farbigkeit der Eingänge der einzelnen Kindergartengruppen erzeugen den Reiz dieser Anlage und machen diesen Kindergarten zu einem einprägsamen und angemessenen Ort.

Architekt: Thomas Duda
Bauherr: Kath. Pfarrgemeinde St. Agnes Köln
Adresse: Stormstraße 1, 50679 Köln
Fotos: Jürgen Schmidt

Magnus 31, Aufstockung Parkhaus

Hybride Mischwesen nehmen selten ein gutes Ende. Die Chimäre etwa, ein Fabelwesen der Antike, zugleich Löwe, Ziege und Schlange, wird mit einem Speer erlegt. Im Gegensatz dazu verdient das Kölner Hybrid, halb Parkhaus, halb Wohnanlage, Anerkennung. Das gilt gleichermaßen für die Architekten, Bauherren und Behörden. Gemeinsam wurde der ökonomisch gebotene und baupolitisch vorbildliche Rückbau eines Parkhauses realisiert, indem auf den oberen drei Etagen trister Parkraum in Wohnraum umgewandelt wurde. Die Fassade verbindet die ungleichen Elemente auf stadträumlich wirksame Weise.

Architekt: Wilkin & Hanrath Bauphasen
Bauherr: Metropol Immobiliengruppe, WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH, Contipark International Parking GmbH
Adresse: Alte Wallgasse 31, 50672 Köln
Fotos: Tobias D. Kern

Haus F in Köln-Weiß

Zur Straßenseite hält das Gebäude zum einen mit der Giebelführung und zum anderen mit seiner starken Farbe, seinem Material und der Fenstergestaltung eine sehr gute Balance zwischen Einpassung und Eigenständigkeit. Nach hinten ist die Abfolge der Gebäudeteile eigenwillig, zugleich aber den jeweiligen Nutzungszwecken angepasst und wiederum durch Farbe und Material und Linienführungen selbstbewusst und zugleich ansprechend verbunden. Fenstergestaltung und Fensterverteilung geben dem gesamten Komplex Leichtigkeit und Transparenz. Die Ausnutzung der Grundstücksfläche ist ausgezeichnet gelungen.

Architekt: JSWD Architekten
Bauherr: Ralf und Annika Feckler
Adresse: Auf der Ruhr 58a, 50996 Köln
Fotos: Christa Lachenmaier

Liebe Deine Stadt Museum

Die Belebung des Stadtbildes durch wechselnde Pavillons ist grundsätzlich zu begrüßen. Durch die feingliederigen Kolonaden und die Leichtigkeit der Überdachung lädt er zur Begehung oder zum Schutz vor Regen ein und bleibt vor seinem Hintergrund transparent. Gleichzeitig nimmt die Struktur dem zentralen Verkaufsstand die Schwere. Dazu trägt auch die symmetrische Dreigliederung des Standes bei. Die dort geschaffenen „Einbuchtungen“ nehmen das Dreiermotiv auf, schaffen Platz und verstärken mit ihrem Zurücktreten den räumlichen Eindruck. Von der Rückseite erscheinen die drei „Ausbuchtungen“ jeweils wie die Apsis einer romanischen Kirche und passen so zum Thema des Pavillons.

Architekt: BeL Sozietät für Architektur
Bauherr: Merlin Bauer, Köln
Adresse: mobil
Fotos: Veit Landwehr