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kap 2006


Ergebnis mit Auszügen aus den Preisgerichtsbeurteilungen

Der alle 3 Jahre ausgelobte Architekturpreis, welcher ein Spektrum der aktuellen Architektur in Köln und Umgebung widerspiegelt, soll die Bemühungen um die Qualität gebauter Umwelt fördern. Er wird ausgelobt vom „Kölner Architekturpreis e. V.“, dessen Träger das Architektur Forum Rheinland (AFR), der Bund Deutscher Architekten Köln (BDA), der Deutsche Werkbund NW (DWB) und der Kölnische Kunstverein (KKV) sind.
Es handelt sich um den ältesten deutschen Architekturpreis; er wurde das erste Mal im Jahr 1960 vergeben.

58 in den letzten 3 Jahren fertig gestellte Projekte, wurden zur Beurteilung eingereicht, 25 in die engere Wahl genommene Bauwerke wurden von der 6-köpfigen Jury vor Ort besichtigt. Die Mitglieder der Jury waren:

  • Dr. Dieter Bartetzko, Journalist, Frankfurt
  • Dr. Birgitt Borkopp-Restle, Leiterin des MAK, Köln
  • Almut Ernst, Architektin, Berlin
  • Prof. Martin Gostner, Bildhauer, Düsseldorf / Innsbruck
  • Prof. Fred Humblé, Architekt, Maastricht
  • Prof. Ernst Kasper, Architekt, Aachen

Prämiert wurden Bauten unterschiedlichster Größenordnungen für unterschiedliche Nutzungen, vom Dachgeschossausbau bis hin zum städtebaulichen Großprojekt, wobei es auf die architektonischen, inhaltlichen und stadträumlichen Qualitäten ankam.

6 Auszeichnungen  und 10 Anerkennungen für vorbildlich beurteilte Bauwerke wurden an Architekten und Bauherren vergeben.


Auszüge aus den Beurteilungen der Jury:

Die Würdigung gilt dem Werk, dem Architekten und gleichermaßen dem Bauherrn. Wenn wir also dieses oder jenes  Werk als vollkommen und damit beispielhaft bezeichnen, so ist es gleichsam Lob für Bauherr und Architekt wie auch Anregung und Beispiel für künftiges Handeln, Ansporn an Architekten und Hoffnung auf Offenheit und Mut der Bauherrn.

Nicht die „Ahs und Ohs“ haben uns veranlasst, eine große Anzahl der Projekte aufzusuchen, sondern die Neugierde, die uns dann vor Ort entdecken ließ, was wir so nicht vermutet hatten, oft sehr zu Gunsten des Werkes, manchmal auch zu Ungunsten.

So waren es diesmal die kleinen Dinge, die größer waren. Es gab keinen Streit, im Wesentlichen  Eintracht, gut die Entschiedenheit mancher Argumente, traurig nur, dass man so lange fahren muss, um etwas Gutes zu sehen. Wenn das Vorbildliche oft so versteckt liegt, wie kann es da noch wirken?


Auszeichnungen






Spichernhöfe, Köln-Innenstadt
Architekten: LK/Architekten - Regina Leipertz, Martin Kostulski, Köln
Bauherren: Armin W. Müller, Ulrich Kikillus, Köln

Die Umnutzung brachliegender historischer innerstädtischer Industriearchitektur zählt mittlerweile zum Baualltag. Dadurch hat sich fatalerweise Routine im Umgang mit derlei Anlagen eingeschlichen: Oft verbergen  ansprechende historistische Fassaden mittlerweile Büro- und Wohnanlagen, die allenfalls Durchschnittsniveau aufweisen. Anders ist dies bei den Spichernhöfen von LK/Architekten. Sie haben ein teilruinöses Ensemble aus verklinkerten, reizvoll verschachtelten Industriebauten behutsam und langwierig in eine Anlage umgewandelt, die dank ihrer ausgewogenen Mischung von Büro-, Wohnungs- und Ladenbereichen tatsächlich die Revitalisierung und Qualitätssteigerung eines städtischen Quartiers vollbringt.

Selbst Zugeständnisse an modische Trends verkraftet das Ensemble dank seiner durchgängigen selbstbewussten Schlichtheit mühelos: Ein „Showroom“ benannter Hofpavillon wirkt mit einer Ornamenthülle im derzeit gängigen Revivalstil der siebziger Jahre nicht albern, sondern als das, was er ist: eine raffinierte und unbekümmerte „decorated box“, die keinen Ewigkeitswert beansprucht.





neo-leo, Umbau eines Mehrfamilienhauses, Köln-Ehrenfeld
Architekten: lüderwaldt verhoff architekten, Köln
Bauherren: Marlies Schmitz-Kneuper, Michael Kneuper, Köln

Den Kölner Stadtteil Ehrenfeld ,in dem sich das Objekt befindet, könnte man als ein architektonisches und kulturelles Patchwork bezeichnen. Gründerzeit, viel 50 er und 60 er Jahre - alle Bauformen bis zur Gegenwart kann man dort finden. Das Gebäude verfügt über eine dieser voll verfliesten Fassaden aus den 60ern, die zwar den Eindruck von Solidität vermitteln, gleichzeitig aber ein Gefühl einer Art baulicher Atemnot und hervorrufen.

Verständlich der Wunsch der BauherInnen nach Öffnung, und diesem haben die Architekten wahrlich entsprochen. anstatt sich von Innen durch zubasteln, haben sie mit einem Luftröhrenschnitt von Außen die Atemnot des Hauses behoben: In Zusammenarbeit mit den BauherrInnen wurde in der Werkstatt ein komplettes Stiegenhaus –eigentlich ein Stiegenobjekt- entworfen, und  aus Tischlerplatten zusammengebaut. Ein leichtes aber stabiles Material. Das Haus wurde durch das Dach geöffnet, und dann diese Öffnung in die untern Ebenen erweitert. Die Wirkung ist erstaunlich. Ein begeh- und bewohnbarer Kamin verbindet die Stockwerke, und erzeugt einen architektonischen Durchzug, der dem Haus und den Bewohnern wieder Atemluft gibt. Mit intelligenter Einfachheit haben die Architekten bei geringem materiellen Aufwand maximale Wirkungen erzielt





Pfarrzentrum St. Nikolaus, Wipperfürth
Architekten: Martini Architekten BDA, Bonn
Bauherr: Kath. Kirchengemeinde St. Nikolaus, Rendatur Wipperfürth

Die Anordnung dieses Ensembles bringt Halt und Maß an diesen Ort, ein angenehmes Äquivalent zur romanischen Kirche. Das Grau ist vermutlich eine Anlehnung an die Farbe des Schiefers, der hier häufig zu sehen ist. Die sehr eigene Ausformung der Eingänge zu den Wohnungen zieht  immer wieder unseren Blick an.

„Die Alten im Dorf lassen“ lautet der Titel einer Veröffentlichung im Baumeister (B 5/06). Die „Alten“ sind jedoch nur ein Teil dieser Anlage, so dass nicht wie anderorts eine Monotonie  entsteht. Eine - vor allem städtebaulich – gelungene Situation und über Inhalt und Ort beispielhaft.
Einzig der „intime Hof“ wirft die Frage auf, ob er eher Patio oder nur ein weiterer städtischer Raum sein will.





G94 - Neubau Verwaltungsgebäude Stadtentwässerungsbetriebe Köln, Köln-Mehrheim
Architekten: Prof. Johannes Schilling Architekt BDA, Köln
Bauherr: Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR

Fällt der Entwurf eines Standardbürogebäudes noch in den Architekturbereich? Jedes Mal müssen wieder dieselben Parameter eingehalten werden, und innerhalb der vorgegebenen Standardparameter scheinen sich die Entwurfsmöglichkeiten insgeheim erschöpft zu haben. Es scheint, als sei ein Bürogebäude mit Büroräumen an beiden Seiten des Gangs ein Gebäudetyp, der nur wenig Möglichkeiten für räumliche Gestaltung übrig lässt.

Johannes Schilling beweist mit diesem Gebäude jedoch genau das Gegenteil, denn gerade durch seine Kenntnisse der Konventionen für Standardbürogebäude hier aufgrund des Auftrags, des Orts, aber auch wegen seiner persönlichen Affinitäten eine neue Synthese mit einer vollkommen eigenen Identität entstanden.

Schilling spielt mit den Konventionen des Standardbürogebäudes und arbeitet mit der Reduktion von Form und Material. Die Bauweise ist raumformend und der Rohbau ist gleichzeitig der Innenausbau, nichts wird verkleidet oder verhüllt und auch die oft verwendete Systemdecke fehlt hier. In der Gesamtkomposition des Gebäudes sind die verschiedenen architektonischen Elemente als Bestandteil des Gesamten in einem proportionalen Zusammenhang deutlich ablesbar.





„Haus der Bilder“, Neubau eines Einfamilienhauses, Köln-Junkersdorf
Architekt: martin schneider architektur, Köln
Bauherr: Michael Wienand, Köln

Aus kubischen Körpern gefügt, zeigt sich das Haus in seinen Außenansichten vielgestaltig und zugleich von großer Klarheit: Seinen weißen Wänden geben die bündig eingesetzten Fenster präzise Definition; sie machen die Dimensionen des Hauses in seinen Konturen und in den sorgfältig und spannungsreich proportionierten Flächen erfahrbar. Jede der Ansichten erscheint als graphische Komposition von überzeugender Entschiedenheit.





Wohnhaus Strunk+Wenzel, Odenthal-Voiswinkel
Architekten: Trint + Kreuder d.n.a., Köln
Bauherren: Birgit Strunk + Johannes Wenzel, Odenthal-Voiswinkel

Bauen in einer idyllisch ländlichen Umgebung lässt sehr schnell die Frage nach einer Anpassung an die lokale Bautradition aufkommen. Diese Frage ist durch die wörtliche Übernahme der herkömmlichen Standardform nicht so einfach zu beantworten. Durch das neue Haus wird die bestehende Umgebung verändert, und dadurch ist es erforderlich, sowohl das bereits bestehende als auch das neue Haus zu interpretieren.

Trint & Kreuder passen die zwei urtypischen Elemente “Haus und Scheune” perfekt in die ländliche Umgebung ein. Beide Gebäudeteile fügen sich übergangslos zwischen die umliegenden ländlichen Häuser ein, obwohl die Elemente an sich vollständig losgelöst und eigenwillig sind. Das Haus besteht aus drei aufeinander gestapelten Volumina in Prismaform, wie “Tunnel”, mit zwei offenen und zwei geschlossenen Seiten, die in verschiedene Richtungen jeweils einen Blick auf die umgebende Landschaft bieten. Es gibt nur das Eine oder das Andere - und nichts dazwischen.
Der Auftraggeber wollte und bekam ein Lowbudget-Haus, für das die Architekten mit viel Energie, Begeisterung und Fachwissen unkonventionelle und intelligente Lösungen erfanden. Und zwar nicht nur mit einer Strategie des Weglassens aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch mit einer Strategie der extremen Zugaben dort, wo es wichtig ist.


Anerkennungen



Katholisches Gemeindezentrum, Köln-Blumenberg
Architekt: Architekturbüro Nikolaus Bienefeld BDA, Swisttal-Odendorf
Bauherr: Kath. Kirchengemeinde, Köln-Fühlingen



Standart+
Architekten: b&k+ brandlhuber&co, Köln-Niehl
Bauherren: Eheleute Cramer & Jens Wentzsche, Köln



Doppelhausensemble im Stadtwaldviertel, Köln-Junkersdorf
Architekt: Bernd Hellriegel Architekten BDA, Köln
Bauherren: Campus Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH mit 12 privaten Bauherren



Baulückenschließung, Wohnen und Arbeiten, Köln-Innenstadt
Architekten: Peter Kulka mit Henryk Urbanietz, Köln
Bauherren: Karl-Flach-Verwaltungsgesellschaft mbH



Praxis in der Lücke, Köln-Deutz
Architekten: Luczak Architekten, Thomas Luczak Architekt BDA, Köln
Bauherren: Dr. Alexander und Marika Hardung



Corpus-Haus, Revitalisierung eines Bürogebäudes, Köln
Architekt: Klaus Müller Architekt BDA, Köln
Bauherr: Corpus Projektentwicklung Gewerbe GmbH, Düsseldorf



Neubau der Domtreppe / Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, Köln-Innenstadt
Architekten: Schaller /Theodor Architekten BDA, Köln
Bauherr: Stadt Köln



Wohn- und Atelierhaus, Köln-Junkersdorf
Architekten: Scheuring u. Partner Architekten BDA, Köln
Bauherren: Scheuring u. Partner Architekten BDA, Köln



Neubau Hauptverwaltungsgebäude DKV-Plus, Köln-Braunsfeld
Architekten: Jan Störmer Partner, Hamburg
Bauherr: DKV Deutsche Krankenversicherungs AG



Umbau Dachgeschosswohnung , Köln-Nippes
Architekten:  Wallrath + Weinert Architekten, Köln
Bauherr: Dr. Godehard Menge