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Kölner Architekturpreis 2010 - Auszeichnung





Kolumba Kunstmuseum des Erzbistums Köln

Adresse: Kolumbastr. 4, 50667 Köln

Architekt: Peter Zumthor Architekt, Haldenstein / Schweiz

Bauherr: Erzbistum Köln

Fertigstellung: 2007

Kein Gebäude wurde so diskussionslos und einstimmig für die Auszeichnung nominiert wie das neue Museum Kolumba.

Peter Zumthors Bau ist ein Ausnahme-Museum, gerade weil es im Spektakelwettkampf der Kulturbauten so spröde und kontemplativ auftritt. Mit Ausnahme der stark gemaserten roten Holzvertäfelung im Lesezimmer sind alle Elemente dieses Kunstwerks still, respektvoll und sinnlich in Zurückhaltung. Selbst die drei kräftigen Lichttürme im obersten Stockwerk, die den Kunstwerken eine aufwärtsstrebende Erhabenheit schenken, bleiben dabei rücksichtsvoll. Komponiert als eine Burg des Lichts und der wechselnden Volumina, besteht dieses Ausstellungshaus aus unaufdringlichen Sensationen. Jeder Saal des Aufstiegs durch die Kunst zeigt andere Proportionen und Beleuchtungsverhältnisse, dunkel und flach öffnet sich in weit und hell, künstlich beleuchtete Kabinette wechseln sich ab mit den von Tageslicht durchfluteten Sälen, die mit ihren großen Fenstern auch die Fassade strukturieren. Der Filterfries aus gelbem Klinker, der die Ausgrabungen in der alten St. Kolumba-Kirche beleuchtet, um deren Fundamente und Reste das Museum herumgearbeitet wurde, ist eine ebenso glückliche Erfindung von Zurückhaltung und Einkehr wie der „Klosterhof“ hinter dem Eingang, der auf dem alten Friedhof einen Ort von geradezu spiritueller Kraft schafft. Auch im zeichen- und stilüberfluteten Stadtraum zwischen Einkaufspassagen, WDR-Gebäude und Opernplatz erzeugt Zumthors protestantische Strenge einen Ruhepol, in dem die Reste der katholischen Architektur mit größter Sorge aufgehoben sind. Seine geniale Fähigkeit, den Geist der Sinn- und Antwortsuche, der Besinnung und der Demut in zeitlose haptische und optische Qualitäten zu übersetzen, lässt die Prophezeiung zu, dass Peter Zumthors Kolumba auch in hundert Jahren noch den Kölner Architekturpreis gewinnen würde.

Text: Till Briegleb / Fotos: Hélène Binet





Offene Ganztagsschule der Grundschule "Buschfeldstraße"

Adresse: Buschfeldstr. 46, 51067 Köln

Architekt: Prof. Johannes Schilling Architekt BDA, Köln

Bauherr: Gebäudewirtschaft der Stadt Köln

Fertigstellung: 2007

Wissen tut man über ein Schulgebäude eigentlich erst etwas, wenn man mal einen Tag im laufenden Betrieb darin verbracht hat.

Aber darüber hinaus kann es natürlich auch wie jede andere Architektur zu einem sprechen. Und dieses Gebäude der Grundschule Buschfeldstraße redet erst einmal unverständliches Zeug – was aber neugierig macht auf eine weitere Unterhaltung.

Die Gebäudetypologie ist nicht recht einzuordnen und die Beweggründe für seine Erscheinung  sind es auch nicht. Aber es strahlt eine selbstbewusste Eigenständigkeit aus und definiert eine eigene Haltung die den Betrachter anregen, selber über die vordefinierten Grenzen zu sehen. Es zeigt neue Wege auf, ohne seine Umgebung mit Besserwisserei zu penetrieren. Was will man mehr von einem Gebäude, welches täglich von Kindern besucht wird?

Eine Tür muss nicht  ein Loch in der Fassade sein, ein Dach muss kein Deckel auf einer offenen Form sein und auch krumme Kisten können scharfkantig sein.

Hinzu kommt die präzise Umsetzung die sowohl die baulichen Elemente, als auch die Materialien in ihrer Eigenheit herausschält und von einer planerischen Qualität zeugt, bei der ein einmal eingeschlagener Weg auch zu Ende gegangen wird.

Text: Carsten Venus / Fotos: Jens Willebrand, Köln





Wohnhaus Schlegelstraße - Gartenhaus Lindenthal

Adresse: Schlegelstr. 28, Köln

Architekt: jäck_molina architekten BDA, Köln

Bauherr: Antja Flucke und Eduard Gutermann

Fertigstellung: 2006

Ein zimmerbreites Haus, eingehüllt in eine graue Schieferdeckung, eingefügt in eine 2 – 3 geschossige Reihenhausbebauung der Nachkriegszeit.

Angenehm steht es in der Reihe. Über ein Fenster und zwei Einschnitte kommunziert dieses Haus mit dem Strassenraum. Hinter einem Einschnitt liegt versteckt schräg über dem Fenster ein kleiner Patio, der andere unten, gehört dem Auto, erst dahinter findet sich die verblechte Haustür. Ganz selbstverständlich schlängeln wir uns vorbei an unserer „Heiligen Kuh“ in das Haus. Einige stehen im Eingangsbereich, einige weichen auf die Treppe aus, andere stehen bereits in der Küche. So schmal ist dieses Haus, zimmerbreit aber 22 Meter tief. Überraschend hell ist es hier.

Der Bauherr, ein sportlicher Herr, begrüßt uns freundlich, muss aber fort und überlässt uns sein Haus einfach so zur Besichtigung. Schmunzelnd verrät er uns noch seinen Wunsch für das nächste Haus –ein erdgeschossiger Bungalow muss es ein.

Über die ganze Grundstückstiefe und zwischen Nachbarsmauern eingepasst fädeln sich fließend Auto, Eingang, Küche, Essplatz, Wohnbereich und Garten auf. Der Blick wird erst von der rückseitigen Grundstücksmauer gestoppt. Ungefähr gleich groß dürften Wohnraum und Gartenraum sein.

Die Schräge des Daches über dem Wohnraum, der Ansatz wohl dem Baurecht geschuldet, gibt der Wohnröhre einen unverwechselbaren Charakter. Über zwei Oberlichten fällt hier das Licht in den Raum. Ein unverwechselbarer, schmaler Treppenraum mit angeschmiegten, hauchdünnen Stahlbändern führt uns auf die privaten Ebenen des Hauses. Kinderebene, Elternebene, Gästeebene mit Blick auf den Großbildschirm, als dramaturgischer Höhe – oder Endpunkt. Großartig und erhellend war dieser Aufstieg. Die Licht – und Raumfülle des Hauses erfährt man auf dieser alle Räume vernetzenden Treppe.

Text: Birgit Rudacs / Fotos: Veit Landwehr (l, m) , Fausto Molina (r)





Seilerhöfe. Büro, Atelier und Produktion in ehemaligen Lagerhallen

Adresse: Schanzenstr. 41, 51063 Köln

Architekt: Trint + Kreuder d.n.a., Köln

Bauherr: G. Eggerbauer Bauprojektierung, Köln

Fertigstellung: 2008

1912/13, 1960 – 2008, eine lange Bauzeit, viele unterschiedlichen Nutzungen.

Unendlich viele verschiedene Konstruktionen und Materialien als Zeitzeugen einer heterogenen Baugeschichte sind hier in den Seilerhöfen verarbeitet worden.

Die Seilerhöfe sind lang, so lang wie sie eben früher für die Seilproduktion erforderlich waren. Und die Seilerhöfe sind tief, es waren schließlich auch Lagerhallen.

Eine einfarbige Blechverkleidung über dem Bestandsockel, wickelt sich um diese industriell geprägte Großformen, bindet alles vorgefundene zusammen und stärkt die Figur in ihrer städtebaulichen Wahrnehmung. Der industrielle Charakter bleibt trotz Nutzung als Bürogebäude durch die Materialwahl erhalten und fügt sich so in seine Umgebung angenehm unaufgeregt ein. Charmant ist das Zusammenspiel der rauhen, absorbierenden Betonoberflächen der Bestandspfeiler und des glatten, perfekt wirkenden Bleches.

Hinter den Fassaden verbergen sich wahre Bürooasen. Private und halböffentliche Innenhöfe unterschiedlichster Ausformung liegen in der Tiefe der Hallen und werden von den Nutzern als erweiterte Arbeits- und Aufenthaltsräume genutzt. Der Mehrwert der durch die Einschnitte hier erzeugt wurde, ist nicht nur der Belichtung geschuldet, sondern strukturelles Element des Gebäudes.

Unvoreingenommen widmete man sich bei den Seilerhöfen auch weniger noblen Materialen wenn diese noch intakt waren. Die Improvisationskunst die beim Umbau der Seilerhöfe von Nöten war, spürt man nicht wirklich. Entspannt hat man hier Architektur geschaffen. Diese Entspanntheit hat sich auf die Nutzer übertragen.

Text: Birgit Rudacs / Fotos: Christian Richters, Münster - Tobias D. Kern, Atelier für Mediengestaltung, Köln





„hwrod“ Lagerstätte für Hochwasserschutzelemente

Adresse: Heinrich-Lübke-Ufer, 50996 Köln

Architekt: Trint + Kreuder d.n.a., Köln

Bauherr: Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR

Fertigstellung: 2009

Leider kann fast niemand dieses Gebäude sehen. Es versteckt sich in einem dichten Baumbestand am Ufer des Rheines. Zwei gesicherte Toranlagen müssen von den Angestellten der Stadtwerke geöffnet werden, um über einen mit Rasengittersteinen gepflasterten Weg, der möglichst zugrünen soll, zu dem hinter Bäumen versteckten amorphen Monolithen zu gelangen und den fensterlosen ca. 6 m hohen Betonkörper sehen zu können. Es sei denn, man ist einer von ca. 3 Hausbesitzer deren Grundstücke rückseitig an das Gelände angrenzen. Diesen hätte beim Neubau auch als Nachbargebäude eine vorgefertigte Standardindustriehalle als Gegenüber blühen können, wenn nicht die Architekten die Stadtwerke mit guten Argumenten zur Architektur hätten überzeugen können: Dass Ihr Entwurf zum gleichen Preis gebaut werden konnte, dass durch kreisförmige Einschnitte innerhalb der Halle (die sowohl Belichten als auch Tragen) alle erhaltenswerten Bäume überleben konnten, dass durch die amorphe Grundrissfigur die Hallenfläche maximiert und der Teil der versiegelten Flächen für den Be- und Entladevorgang durch die Umfahrbarkeit der amorphen Grundrissfigur minimiert wurde.

Es bleibt zu hoffen, dass dem Interessierten wenigstens an einigen ausgewählten Tagen diese Halle geöffnet werden kann, der wunderschöne, fast sakrale Innenraum erlebbar wird und man sehen kann, wie mit wenig Geld aus einer so profanen Bauaufgabe so viel Funktionales und Schönes ohne Zierrat entstehen kann - als Produkt eines logischen, lösungsorientierten Entwurfsprozesses. Vielleicht hat auch die verborgene Lage des Gebäudes den Bauherren so mutig werden lassen, eine so unkonventionelle Lösung zuzulassen. Man wünscht sich diesen Mut auch an öffentlicherer Stelle.

Text: Markus Schwieger / Fotos: Christian Richters, Münster



Kölner Architekturpreis 2010 - Anerkennung





Hohe Domkirche Köln, Neubau Zugangsbauwerk zum Südturm

Adresse: Roncalliplatz, 50667 Köln

Architekt: Kaspar Kraemer Architekten BDA, Köln

Bauherr: Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln, vertreten durch die Dombauverwaltung des Metropolitankapitels

Fertigstellung: 2009

Wie hätte man diese Aufgabe anders lösen können, als in dieser Arbeit vorgestellt?

Ohne wäre besser gewesen, aber anscheinend war dieser Funktionsbau an dieser Stelle erforderlich und dann liegt seine Qualität auf jeden Fall in der Feststellung, daß er einem wie „immer schon dagewesen“ erscheint.

Wie bei weiteren Projekten teilweise gilt bei diesem insbesondere, daß sich die eigentliche Stärke nicht in bildhaft erfassen lässt und auch vor Ort nur teilweise erschließt.

Die Aufgabe erfordert hohe Disziplin und Selbstbeherrschung bei gleichzeitigem Einsatz eines eigenen Striches mit sicherer Hand. Beides ist hier gegeben.

Bei aller Selbstverständlichkeit und respektvoller Eigenständigkeit, die dieses Projekt ausstrahlt, sind es dann halt die kleinen Dinge, die einen nicht vollständig zufriedenstellen.

Sind die reduzierten Öffnungen in den Kuben wirklich richtig gesetzt? Kann ein Körper wirklich nicht ein Dach haben, welches wie die Wand aussieht? Warum ist die Treppe als drittes Element nicht vollständig im Duktus der beiden Kuben gehalten?

Text: Carsten Venus / Fotos: Stefan Schilling





Umbau und Erweiterung Geißbockheim 1. FC Köln. Neubau eines Verwaltungsgebäudes als Anbau an das bestehende Geißbockheim im Kölner Grüngürtel

Adresse: Franz-Kremer-Allee 1-3, 50937 Köln

Architekt: Römer Partner Architektur, Köln. Bernd Römer Architekt BDA, Stephan Kögler

Bauherr: 1. FC Köln GmbH & Co, KGaA

Fertigstellung: 2009

Vereinsarchitektur ist das Grauen, gerade im Fußball. Die meisten Geschäftsstellen, Stadioncenter oder Trainingsgelände sehen aus wie Sanitärbetriebe, aufgemöbelter Ostblock mit verspiegelten Fenstern oder Psychoknäste für Speditionsangestellte im Gewerbegebiet von Herne oder Eisenach. In diesem Zusammenhang ist die Erweiterung des Geißbockheims geradezu eine Erscheinung. Eine Fassade mit Rhythmus und Stil, die der Schönheit des Fußballspiels eine architektonische Antwort gibt: Die Kunst der Variation, entwickelt aus einem fest gelegten Raster, bestimmt die Ordnung der Stützen und Fenster wie beim Fußball die Regel die Möglichkeiten des Spiels. Das Gesamtbild des Fassadenbandes zum Trainingsgelände hin bleibt trotzdem gefasst wie das Kreideviereck des Spielfeldes. Und auch der Vereinspatriotismus findet in der Ansicht seinen Platz, allerdings nicht in plakativer Hurrah-Manier. Die Farben des 1. FC Köln bestimmen die Elemente, ohne aufdringlich zu werden. Punktuelle rote Aluminiumflächen, schwarze Fensterrahmen und das weiße Lochfassadenraster ergeben zusammen den Farbdreiklang des FC, der sich auch innen fortsetzt, unter anderem mit rotfarbigen Sitzalkoven im weißen Flur mit schwarzen Belägen.

Als Erweiterung des alten Geißbockheims bildet die Architektur von Römer Partner Architektur eine etwas gewöhnungsbedürftige Collage mit dem Gelbklinker des Bestands, der doch stark für die Vereinssport-Atmosphäre der Fünfziger steht, und blockiert zudem die Sicht von der Café-Terrasse auf das Trainingsgelände. Die architektonische Ankunft im Fußballzeitalter von High-Tech, Datenbank und Millionentransfers ist über diese liegende Himmelsleiter trotzdem sehr gelungen.

Text: Till Briegleb / Fotos: Jens Willebrand





Haus Rollinger, Neubau eines Einfamilienhauses

Adresse: Wiesenweg 31, 50859 Köln

Architekt: Johannes Götz und Guido Lohmann, Köln

Bauherr: Familie Rollinger, Köln

Fertigstellung: 2008

Architektur, bei der man stutzt. Das Haus Rollinger ist ein Prototyp für diese subtile Überraschung. Gelegen in einer ruhigen Wohnstraße in grüner Nachbarschaft mit zahlreichen Bausparkassen-Häuschen der Nachkriegszeit, formuliert die Architektur von Johannes Götz und Guido Lohmann eine widerborstige Anpassung. Umriss, Bestandteile und Materialien des Gebäudes fügen sich scheinbar ideal in die steile Satteldach-Idylle deutscher Kleinbürgerhütten. Der Geist des Hauses für die Sammlerfamilie Rollinger verspricht aber in Details und der Präzision der Ausführung eine völlig andere Ambition. Der Archetyp des deutschen Einfamilienhauses mit Garten erfährt eine asketische Umsetzung. Befreit von all den Laternchen, Windfang und Geranienkästen und optisch irritiert durch die streng mittige Setzung von drei unterschiedlichen Fensterformaten, wirkt das Haus zur Straße wie eine subversive Architekturskulptur. Zum Garten wird die Affinität des Bewohners zur Bildenden Kunst durch ein Fenster unterstrichen, das den Ausblick wie ein Gemälde rahmt. Der Innenausbau bricht schließlich vollständig mit der Atmosphäre deutscher Gemütlichkeit und Gelsenkirchner Barock, die man unterm Satteldach vermutet, und ist gestaltet wie die fließenden Räume moderner Bungalowarchitektur. Ein geschützter Innenhof zur Straße hin, der leider eine wenig das strenge Erscheinungsbild von dort beeinträchtigt, sowie ein Badezimmer unter dem Steilgiebel zeugen zudem davon, dass auch aus dem gewöhnlichsten Rahmen beeindruckende Räumlichkeiten befreit werden können.

Text: Till Briegleb / Fotos: Jan Kraege





Büro- und Logistikcenter "Alpha Eins"

Adresse: Am Wassermann 20-22, 50829 Köln

Architekt: Giuliani.Hönger Architekten ETH BSA SIA, Zürich / Schweiz

Bauherr: HIBA Grundbesitz GmbH & Co. KG, Köln

Fertigstellung: 2007

Ein langgestreckter Backsteinquader. Auf den ersten Blick dreigeschossig. Der Fassadenausschnitt verrät über die etwas größere Spreizung der obersten Fensterreihe eine Änderung innerhalb des Gebäudes.

Aber was verbirgt sich hinter diesen präzise gesetzten und fein abgestuften Fensterfassaden ?

Alpha eins ist ein Gewerbegebäude und steht im neuen Gewerbegebiet Vogelsang.

Den räumlich größten Anteil des Gebäudes nimmt die stützenfreie zweigeschossige Lagerhalle ein.

Hinter den größeren Fenstern, über der Lagerhalle befinden sich die Büroräumlichkeiten um zwei Lichthöfe gruppiert. Die Lagerhalle ist also doppelstöckig befenstert. Elegante Vierendeelträger überspannen und charakterisieren die 20 Meter breite Halle. Oben begrenzen die Glasfronten der Büroräume den vertikal abgestuften und räumlich modellierten Hallenraum.

Das Gebäude macht uns neugierig. Wir fahren hin.

Wohltuend ruht dieser Quader als Abschluß einer Reihe von neu entstandenen Gewerbe- und Bürobauten. Man hat fast das Gefühl, er ist hier verankert.

Im Inneren herrscht das Material Beton vor. Angenehm robust und genauso überzeugend eingesetzt wie das Klinkerkleid aussen. Die Halle und die Büros leben über diese räumlichen Vertikalverbindungen, architektonisch wie funktional. Vom derzeitigen Nutzer erfahren wir erst wie flexibel dieses Gebäudes geplant werden musste und was dieses Gebäude diesbezüglich kann. Hier ist ein hochmultifunktionales Gewerbegebäude entstanden, das trotz der nicht determinierten Gebäudefunktion hochwertige und nachhaltige Architektur sein wollte und ist.

Text: Birgit Rudacs / Fotos: Christian Richters, Münster





Kranhäuser Rheinauhafen Köln, Geschäfts- und Wohnhaus

Adresse: Am Zollhafen, 50678 Köln

Architekt: BRT Architekten Bothe Richter Teherani, Hamburg (auf Grundlage der Entwürfe des Workshops der ARGE 1. Preisträger Rheinauhafen Köln: „Bothe Richter Teherani, Busmann und Haberer, Linster, Schneider-Wessling und Abbing“ vom April 1993)

Bauherr: moderne stadt, Köln / Development Partner AG, Düsseldorf / Pandion AG, Köln

Fertigstellung: 2008 bis 2010

Der Rheinblick südwärts gehört diesem Trio. Mächtig dominieren die Kranhäuser von Bothe, Richter, Teherani die Stadtkulisse Kölns von der Deutzer Brücke. Die bereits 1993 aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Entwürfe für drei „Wolkenbügel“ nach El Lissitzky wurden erst 2006 in Angriff genommen, und sind nun für das neue Quartier Rheinauhafen die Landmarke, ohne die ein so großes Entwicklungsgebiet heute nicht mehr auskommt. Obwohl niemand in Frage stellt, dass die 60 Meter hohen und 70 Meter langen Krampen am Rhein deutlich schlanker auch deutlich besser ausgesehen hätten – was die Vorstellungen des Investments aber nicht zuließ –, bleiben die drei unterschiedlichen Hochhäuser trotzdem ein gelungener Kompromiss zwischen Vision und Rentabilität. Durch die klare Liniengebung der Bürokräne im Gegensatz zu dem Balkonrelief des Wohnkrans differenzieren sich die Türme wie vornübergebeugte Riesen-Geschwister. Das Selbstbewusstsein, dass diese große Geste hier zeigt, gibt dem ansonsten etwas beliebigen Entwicklungsgebiet einen notwendigen Charakterzug. Und die Assoziation an Hafenkräne, die statt dem Verweis auf den konstruktivistischen Entwurf von 1924 auch von Hadi Teherani heute lieber bemüht wird, weil das Original El Lissitzkys einfach zu deutlich verfehlt wurde, macht an dieser Uferstelle trotzdem Sinn und ein eindrückliches Bild. Innen zählt dann natürlich vor allem das Außen. Die oberste Büroetage im Südturm wäre ohne die Panoramasicht keine Erwähnung wert. Die Wohnungen im Nordturm waren zum Zeitpunkt der Besichtigung noch im Bau, aber Lukas Podolski hat bereits eine gekauft. Es kann also nur noch nach oben gehen.

Text: Till Briegleb / Fotos: Jörg Hempel





Pumpwerk St. Leonardus-Straße

Adresse: St. Leonardus-Straße, 50735 Köln

Architekt: ASTOC Architects and Planners, Köln

Bauherr: Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR

Fertigstellung: 2009

Kaltes klares Wasser - der Neubau des Regenwasserklärwerkes macht Lust darauf, vor allem wenn man durch das ansonsten schmuddelige und unansehnliche Industriegebiet entlang des Rheines im Norden Kölns fährt. Hier reihen sich Industriehallen, Müllverbrennungsanlagen, Öllager und Autofabriken meist gesichtslos und ohne Bedacht um deren öffentliche Wirkung zum Ufer des Rheines gebaut, aneinander.

Das Entwurfskonzept zeigt die Abläufe der Reinigung als Prozess. Die notwendige Technik wirkt durch die amorph überformte Hülle mit reinem weißen grobmaschigen Streckmetall aufgeräumt und fast klinisch sauber. Im Kontrast zur dieser „weißen Wolke“ wird zum Rheinufer als Schnittfläche das Produkt dieses Prozesses - gereinigtes Regenwasser - an einer rauen massiven konkav geformten aus Basaltsteinen gemauerten Wand zur Schau gestellt, die eben mit diesem Wasser berieselt und im Laufe der Jahre über die Fugen mit Moos bewachsen wird.

Das Schöne an der Lösung ist, dass sie auch ohne Erklärung auskommt. Sie wirkt aus der Ferne durch die Größe und konkave Wölbung der Wand als selbstverständliche, unaufdringliche „landmark“ am Rheinufer und bietet aus der Nähe zusätzlich ein sinnlich wahrnehmbares Erlebnis.

Im Unterschied zu vielen anderen Lösungen dieser Bauaufgabe wird das technische Bauwerk hier nicht mit einer kunsthandwerklichen Verkleidung eingehüllt oder als Teil einer bunten nächtlichen Lichtinszenierung der Stadt interpretiert, sondern die Lösung ist wohltuend unaufdringlich.

Das Projekt ist sowohl eine gute Werbung für die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe, denen man einen verantwortlichen Umgang mit der Natur als auch ein lecker aufbereitetes Wasser zutraut, als auch eine Bereicherung des öffentlichen Raumes entlang des Rheinufers.

Text: Markus Schwieger / Fotos: Christa Lachenmaier





Mehrfamilienhaus als Baulückenschließung im Innenstadtbereich

Adresse: Humboldtstr. 5-9, 50676 Köln

Architekt: Raderschall Architekten BDA, Köln

Bauherr: Wolfgang Raderschall

Fertigstellung: 2010

An diesem Projekt ist eine hervorstechende Eigenschaft diese, das es überhaupt vorhanden ist. Der sogenannte freifinanzierte Mietwohnungsbau befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug – langfristige Bindung und spärliche Renditen lassen diesen elementaren Teil der gebauten Umwelt als seltene Bauaufgabe in den eingereichten Arbeiten erscheinen.

Vielleicht wird diese Aufgabe auch abseits der Beachtung als erforderliche Funktionsbauten abgearbeitet. Auffällig ist in jedem Falle die Unterrepräsentation in der Bandbreite der eingereichten Arbeiten.

Auch wenn das Projekt keine neuen thematischen Aspekte für den Wohnungsbau oder qualitativ herausragende Lösungen aufzeigt, ist jedoch die konsequente Orientierung an den wesentlichen Themen des zeitgemäßen innerstädtischen Wohnungsbaus auszeichnungswürdig.

Es ist ein offenes Haus, welches auf der Straßenfassade mit vor die raumhohe Glasfassade vorgestellten Paneelen ein subtiles System findet, um die biederen Lochfassaden der Nachbarhäuser zu interpretieren. Auch die Grundrisse mit dem zentralen Sanitärkern und einem durchgehenden Balkon zum Hof sind das was eigentlich ganz einfach ist, man als Mieter aber selten findet.

Text: Carsten Venus / Fotos: Anja Schlamann, Köln





hdak-Kubus. Interimsquartier für das Haus der Architektur Köln

Adresse: Josef-Haubrich-Hof, 50676 Köln

Architekt: gernot schulz : architektur, Köln. Prof. Gernot Schulz Architekt BDA

Bauherr: Verein zur Förderung von Architektur und Städtebau e.V.

Fertigstellung: 2008

Ghana - Deutschland. Der Abend vor Beginn der Jurysitzung. Doppelprojektion auf zwei gegenüberliegende Wandflächen. Gute Sicht, gespannte Atmosphäre, schönes Licht, optimale Temperaturen und Deutschland gewinnt 1:0.

Kein schönes Spiel, aber ein schöner Raum im weißen reduzierten hdak-Kubus.

Der abstrakte Kubus in unterschiedlicher Größe für multifunktionale Nutzungen ist immer wieder ein bevorzugtes Motiv vieler Architekten, gerade bei auf Zeit gebauten Interimslösungen in denen Räume belegt werden, die eigentlich kein Bauplatz sind.

Aus verständlichen Gründen - da immer wieder aus dieser fertigen, einfachen und kontextneutralen Grundform vielfältigste Variationen entstehen können - so wie auch in diesem Fall. Durch die selbst gewählte geometrische Vorgabe entsteht der Rahmen für das Besondere: In diesem Fall der Innenraum, der durch die von außen nicht sichtbaren Lichttrichter einen ruhigen, introvertierten, für unterschiedlichste Nutzungen geeigneten Raum erzeugen kann. Wenn aber die großen Tore geöffnet werden, verwandelt sich der Würfel zu einem offenen Haus, in dem man an einem lauen Sommerabend auch ein solches Spiel schauen kann. Nur schade, dass er durch einen Zaun vom eigentlichen öffentlichen Platz getrennt ist und so im Innenbereich ein elitärer Zirkel entsteht.

Text: Markus Schwieger / Fotos: Tomas Riehle, Köln





Meetingpoint plan09

Adresse: Filzengraben 2, 50829 Köln (temporär 09/2009)

Architekt: LHVH Architekten, Köln

Bauherr: plan project Sabine Voggenreiter und Kay von Keitz GbR, Köln

Fertigstellung: 2009

Das Provisorium ist das Reagenzglas der reifen Lösung. Selbst wenn es nur eine Woche steht wie der Meeting Point der plan09 von LHVH Architekten. Die Idee, eine simple Hütte aus den gelben Verschalungselementen des Betonbaus zu konstruieren, beschreibt diesen Geist des Provisorischen besonders poetisch. Denn der Beton wird nie hier hinein fließen, er ist nur als Phantasiematerie vorhanden, aus der ein kreativer Geist seine Vorstellungen modellieren kann. Die schlichte Form, die zunächst nichts anderes sagt, als die Urform eines Hauses zu sein, entwickelt durch die eigenartige Farbe, aber auch durch die Assoziationen an Slum- und Favella-Bauten, erzählende Qualitäten, die den Prozess des Sprechens über Architektur inspirieren können. Und wenn nach wenigen Tagen die Platten wieder zu gewöhnlichen Funktionselementen werden, dann ist das Flüchtige das Memento Mori der tollen Idee und damit ein Ruf der Erinnerung, die Gegensätze dieses schönen Berufs nie aus den Augen zu verlieren.

Text: Till Briegleb / Fotos: Martin Lässig